23 Juli 2026

Wie hängen digitale Souveränität und Datensicherheit zusammen?

Digitale Souveränität und Datensicherheit sind eng miteinander verbunden: Wer keine Kontrolle über seine eigenen Systeme, Software und Daten hat, kann auch deren Sicherheit nicht vollständig gewährleisten. Unternehmen, die von externen Anbietern abhängig sind, übertragen damit unweigerlich auch einen Teil ihrer Sicherheitsverantwortung an Dritte. Die folgenden Fragen beleuchten, was das konkret bedeutet und wie Sie beides gezielt stärken können.

Was gefährdet digitale Souveränität in Unternehmen konkret?

Digitale Souveränität in Unternehmen ist vor allem durch technologische Abhängigkeiten gefährdet. Der sogenannte Vendor Lock-in ist dabei die häufigste und folgenreichste Bedrohung: Wenn zentrale Geschäftsprozesse auf proprietären Plattformen eines einzigen Anbieters basieren, verliert das Unternehmen die Fähigkeit, eigenständig Entscheidungen über Technologiewechsel, Datenzugriffe oder Vertragskonditionen zu treffen.

Konkret gefährden folgende Faktoren die digitale Souveränität:

  • Vendor Lock-in durch proprietäre Formate: Daten und Prozesse lassen sich nicht ohne erheblichen Aufwand auf andere Systeme übertragen.
  • Intransparente Software: Wenn der Quellcode nicht einsehbar ist, können Unternehmen weder Sicherheitslücken eigenständig prüfen noch sicherstellen, was die Software tatsächlich mit ihren Daten tut.
  • Externe Rechenzentren ohne klare Jurisdiktion: Daten, die in Rechenzentren außerhalb der EU gespeichert werden, können ausländischen Zugriffsrechten unterliegen.
  • Fehlende Portabilität: Systeme, die keine standardisierten Schnittstellen bieten, erschweren den Wechsel zu alternativen Lösungen erheblich.
  • Abhängigkeit von Lizenzmodellen: Änderungen an Lizenzbedingungen durch Hersteller können Unternehmen kurzfristig in operative Schwierigkeiten bringen.

Besonders der Vendor Lock-in ist dabei nicht nur ein strategisches, sondern auch ein unmittelbares Sicherheitsrisiko. Wer keine Alternative hat, kann auf Sicherheitsvorfälle oder Serviceausfälle beim Anbieter nicht flexibel reagieren.

Wie beeinflusst der Speicherort von Daten die Sicherheit?

Der Speicherort von Daten bestimmt maßgeblich, welchem Rechtsrahmen sie unterliegen und wer im Zweifelsfall Zugriff auf sie erhält. Daten, die auf Servern außerhalb der Europäischen Union gespeichert sind, können durch Gesetze wie den US CLOUD Act für Behörden des jeweiligen Landes zugänglich sein, unabhängig davon, wo das speichernde Unternehmen seinen Sitz hat.

Für europäische Unternehmen bedeutet das: Selbst wenn ein US-amerikanischer Cloud-Anbieter technisch sichere Systeme betreibt, bleibt ein rechtliches Restrisiko bestehen. Dieses Risiko betrifft nicht nur den Datenschutz, sondern auch Geschäftsgeheimnisse, strategische Planungen und personenbezogene Daten von Mitarbeitenden und Kunden.

Wer Daten in Deutschland oder der EU speichert und verarbeitet, profitiert hingegen von einem einheitlichen Rechtsrahmen, der klare Regeln für Datenzugriff, Datenweitergabe und Datenlöschung vorschreibt. Souveräne Datenhaltung bedeutet daher nicht nur, die Daten physisch zu kontrollieren, sondern auch rechtlich zu wissen, wer unter welchen Bedingungen Zugriff erhalten kann.

Welche Rolle spielt Open Source für digitale Souveränität?

Open Source Software ist eine der wirksamsten technologischen Grundlagen für digitale Souveränität, weil sie Unternehmen Transparenz, Kontrolle und Unabhängigkeit zurückgibt. Da der Quellcode frei einsehbar ist, können Organisationen eigenständig prüfen, wie die Software funktioniert, welche Daten sie verarbeitet und ob Sicherheitslücken vorhanden sind.

Der Zusammenhang zwischen digitaler Souveränität und Open Source zeigt sich auf mehreren Ebenen:

  • Keine Herstellerabhängigkeit: Open Source Software kann von jedem weiterentwickelt, angepasst und betrieben werden. Unternehmen sind nicht an einen einzigen Anbieter gebunden.
  • Auditierbarkeit: Sicherheitsteams können den Code auf Schwachstellen prüfen, ohne auf Herstellerangaben vertrauen zu müssen.
  • Flexibilität bei der Infrastruktur: Open Source Lösungen lassen sich in eigenen Rechenzentren oder auf europäischen Cloud-Plattformen betreiben, was die Datenhaltung vollständig unter eigener Kontrolle hält.
  • Standardisierte Schnittstellen: Viele Open Source Projekte setzen auf offene Standards, die Interoperabilität und Portabilität sicherstellen.

Betriebssysteme wie Debian Linux oder Datenbanken wie PostgreSQL® sind Beispiele für Open Source Projekte, die heute in kritischen Unternehmensinfrastrukturen eingesetzt werden und dabei echte Unabhängigkeit von proprietären Anbietern ermöglichen. Digitale Souveränität und Open Source gehen in der Praxis sehr häufig Hand in Hand.

Wie unterscheiden sich digitale Souveränität und Datenschutz nach DSGVO?

Digitale Souveränität und Datenschutz nach der DSGVO® verfolgen verwandte, aber unterschiedliche Ziele. Die DSGVO schützt personenbezogene Daten natürlicher Personen und regelt, wie Unternehmen diese Daten erheben, verarbeiten und speichern dürfen. Digitale Souveränität hingegen ist ein breiteres strategisches Konzept, das die Handlungsfreiheit und Kontrolle einer Organisation über ihre gesamte IT-Infrastruktur beschreibt.

Datenschutz nach DSGVO: rechtliche Mindestanforderungen

Die DSGVO definiert verbindliche Anforderungen: Einwilligung, Zweckbindung, Datensparsamkeit, Auskunftsrechte und vieles mehr. Sie ist ein Compliance-Rahmen, der Mindeststandards setzt. Ein Unternehmen kann DSGVO-konform sein und trotzdem in hohem Maße von einem einzigen Softwareanbieter abhängig bleiben.

Digitale Souveränität: strategische Unabhängigkeit

Digitale Souveränität geht über rechtliche Compliance hinaus. Sie fragt: Kann das Unternehmen eigenständig entscheiden, welche Technologien es einsetzt, wie es seine Daten verwaltet und wie es auf Änderungen im Markt oder bei Anbietern reagiert? Diese Frage betrifft nicht nur personenbezogene Daten, sondern auch Geschäftsdaten, Prozessdaten und die gesamte IT-Architektur.

Kurz gesagt: DSGVO-Konformität ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für digitale Souveränität. Unternehmen, die beides anstreben, brauchen sowohl einen rechtlich sauberen Umgang mit Daten als auch die technologische Unabhängigkeit, um ihre Infrastruktur selbst gestalten zu können.

Welche Maßnahmen stärken gleichzeitig Souveränität und Datensicherheit?

Maßnahmen, die Vendor Lock-in reduzieren und die technologische Kontrolle zurück ins Unternehmen bringen, stärken in der Regel gleichzeitig die Datensicherheit. Der Schlüssel liegt darin, Transparenz, Kontrolle und Flexibilität als Leitprinzipien in der IT-Strategie zu verankern.

Folgende Maßnahmen haben sich in der Praxis bewährt:

  1. Einsatz von Open Source Software: Transparenter Quellcode, keine Herstellerabhängigkeit und freie Wahl des Betreibers schaffen die Grundlage für souveräne und sichere IT.
  2. Datenhaltung in Deutschland oder der EU: Eigene Rechenzentren oder zertifizierte europäische Anbieter stellen sicher, dass klare Rechtsverhältnisse gelten.
  3. Vermeidung proprietärer Formate: Offene Dateiformate und standardisierte Schnittstellen erhalten die Portabilität und verhindern Lock-in-Effekte.
  4. Regelmäßige Sicherheitsaudits: Unabhängige Prüfungen der eingesetzten Systeme, idealerweise auf Basis von Open Source Lösungen, erhöhen die Sicherheit nachweisbar.
  5. Multi-Vendor-Strategie: Kritische Dienste auf mehrere Anbieter zu verteilen, reduziert Abhängigkeiten und minimiert das Ausfallrisiko.
  6. Professioneller Support für Open Source: Viele Unternehmen scheuen Open Source, weil sie keine Herstellergarantien erhalten. Professioneller Open Source Support schließt diese Lücke und macht souveräne IT auch für den Unternehmenseinsatz verlässlich.

Diese Maßnahmen ergänzen sich gegenseitig. Wer konsequent auf Offenheit und Kontrolle setzt, baut eine IT-Infrastruktur auf, die sowohl widerstandsfähig gegenüber externen Abhängigkeiten als auch besser gegen Sicherheitsbedrohungen gewappnet ist.

Wie credativ® digitale Souveränität und Datensicherheit unterstützt

Wir bei credativ® begleiten Unternehmen dabei, digitale Souveränität in der Praxis umzusetzen, ohne dabei auf Sicherheit oder Verlässlichkeit zu verzichten. Seit 1999 bieten wir professionellen Support für Open Source Software auf dem Niveau von Herstellersupport, direkt aus Deutschland, ohne Callcenter und mit festangestellten Spezialisten.

Konkret unterstützen wir Sie in folgenden Bereichen:

  • 24/7 Open Source Support für kritische Infrastrukturen wie Debian Linux und PostgreSQL®, damit Sie souverän auf Open Source setzen können, ohne auf professionelle Absicherung zu verzichten
  • Beratung zur IT-Infrastruktur, die Vendor Lock-in reduziert und Ihre technologische Unabhängigkeit stärkt
  • Direkter Zugang zu Open Source Spezialisten per Telefon, Ticket-System oder E-Mail, ohne Umwege über ein Callcenter
  • Unterstützung bei der Auswahl und dem Betrieb von Open Source Lösungen, die zu Ihren Sicherheits- und Compliance-Anforderungen passen
  • Nationaler und internationaler Support in deutscher und englischer Sprache

Wenn Sie Ihre digitale Souveränität gezielt stärken und dabei auf verlässliche Expertise setzen möchten, sprechen Sie uns an. Kontaktieren Sie uns und erfahren Sie, wie wir Ihre IT-Unabhängigkeit gemeinsam gestalten können.

PostgreSQL® ist eine Marke der PostgreSQL Global Development Group. credativ® ist Competence Center für PostgreSQL®. Die Nennung weiterer Produkte und Technologien in diesem Artikel dient ausschließlich der sachlichen Beschreibung von Dienstleistungen von credativ®.

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Kategorien: credativ® Inside

über den Autor

Peter Dreuw

Head of Sales & Marketing

zur Person

Peter Dreuw arbeitet seit 2016 für die credativ GmbH und ist seit 2017 Teamleiter. Seit 2021 ist er Teil des Management-Teams als VP Services der Instaclustr. Mit der Übernahme durch die NetApp wurde seine neue Rolle "Senior Manager Open Source Professional Services". Im Rahmen der Ausgründung wurde er Mitglied der Geschäftsleitung als Prokurist. Sein Aufgabenfeld ist die Leitung des Vertriebs und des Marketings. Er ist Linux-Nutzer der ersten Stunden und betreibt Linux-Systeme seit Kernel 0.97. Trotz umfangreicher Erfahrung im operativen Bereich ist er leidenschaftlicher Softwareentwickler und kennt sich auch mit hardwarenahen Systemen gut aus.

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