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Softwarefreiheit und digitale Souveränität sind verwandte, aber klar unterschiedliche Konzepte. Softwarefreiheit ist ein technisches und ethisches Prinzip, das beschreibt, welche Rechte Nutzer gegenüber Software haben. Digitale Souveränität ist ein strategisches Ziel, das beschreibt, wie viel Kontrolle Organisationen über ihre eigene digitale Infrastruktur behalten. Der folgende Artikel erklärt, wie die beiden Konzepte zusammenhängen und warum die Unterscheidung für Unternehmen und Behörden praktisch relevant ist.
Der Begriff Softwarefreiheit geht auf Richard Stallman und das GNU-Projekt zurück, das 1983 gegründet wurde. Digitale Souveränität ist ein jüngeres, politisch geprägtes Konzept, das in Europa vor allem im Zusammenhang mit der Abhängigkeit von außereuropäischen Technologiekonzernen diskutiert wird. Beide Begriffe haben unterschiedliche Ursprünge, berühren sich aber in der Frage, wer die Kontrolle über Software und Daten hat.
Stallman formulierte vier grundlegende Freiheiten, die Nutzer gegenüber Software haben sollten: die Freiheit, ein Programm auszuführen, es zu studieren, es weiterzugeben und es zu verbessern. Diese Freiheiten bilden bis heute die Grundlage des Free-Software-Gedankens und der Open-Source-Bewegung, auch wenn die beiden Bewegungen unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Digitale Souveränität als Begriff gewann in Deutschland und der EU ab den 2010er Jahren an Bedeutung, als deutlich wurde, wie stark öffentliche Verwaltungen, Unternehmen und kritische Infrastrukturen von einer Handvoll US-amerikanischer und asiatischer Technologieanbieter abhängig geworden waren. Die Diskussion wurde durch Berichte über Datenzugriffe ausländischer Geheimdienste und durch den wachsenden Einfluss großer Plattformunternehmen weiter angetrieben.
Softwarefreiheit bedeutet, dass Nutzer das Recht haben, Software zu verwenden, zu verstehen, zu verändern und weiterzugeben, ohne künstliche Einschränkungen durch den Hersteller. Es geht nicht darum, dass Software kostenlos sein muss, sondern darum, dass Nutzer die volle Kontrolle über das Programm behalten. Open-Source-Lizenzen wie die GPL oder die Apache-Lizenz sind rechtliche Instrumente, die diese Freiheiten absichern.
Was Softwarefreiheit nicht garantiert: Sie sagt nichts darüber aus, wo Daten gespeichert werden, wer auf Server zugreifen kann oder ob ein Unternehmen die technische Kompetenz hat, seine Software tatsächlich selbst zu betreiben. Eine Organisation kann theoretisch vollständig auf freier Software aufbauen und trotzdem in einer tiefen Abhängigkeit stecken, wenn sie den Betrieb vollständig an einen einzigen externen Anbieter ausgelagert hat.
Softwarefreiheit ist also eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für echte technologische Unabhängigkeit. Sie schafft die rechtliche und technische Grundlage, auf der Unabhängigkeit aufgebaut werden kann.
Digitale Souveränität bedeutet für Unternehmen und Behörden, dass sie die Kontrolle über ihre eigenen Daten, Systeme und Prozesse behalten und nicht von einzelnen Anbietern abhängig sind, die einseitig Preise, Bedingungen oder Verfügbarkeit bestimmen können. Das Ziel ist, strategische Entscheidungen über die eigene IT-Infrastruktur selbst treffen zu können, ohne durch Vendor Lock-in eingeschränkt zu sein.
Für Behörden hat digitale Souveränität zusätzlich eine rechtliche Dimension: Personenbezogene Daten und sensible Verwaltungsdaten dürfen häufig nicht auf Servern außerhalb der EU gespeichert werden. Die Nutzung proprietärer Cloud-Dienste, deren Rechenzentren außerhalb Europas liegen oder die dem Zugriff ausländischer Behörden unterliegen können, steht damit in direktem Widerspruch zu regulatorischen Anforderungen.
Für Unternehmen geht es neben der Compliance auch um wirtschaftliche Resilienz. Wer seine gesamte IT auf einen einzigen Anbieter ausgerichtet hat, ist anfällig für Preiserhöhungen, Produktabkündigungen oder Geschäftsbedingungen, die sich ohne Vorwarnung ändern. Digitale Souveränität schützt vor genau diesen Abhängigkeiten.
Softwarefreiheit und digitale Souveränität überschneiden sich dort, wo es um die Fähigkeit geht, Software zu verstehen, zu kontrollieren und unabhängig zu betreiben. Wer freie Software einsetzt, kann den Quellcode einsehen, Sicherheitslücken selbst prüfen und Anpassungen vornehmen, ohne auf die Genehmigung eines Herstellers angewiesen zu sein. Das sind zentrale Voraussetzungen für echte digitale Souveränität.
Open-Source-Software wie das Betriebssystem Debian Linux® oder die Datenbank PostgreSQL® ermöglicht genau das: Organisationen können diese Systeme selbst betreiben, anpassen und weiterentwickeln. Kein Anbieter kann ihnen den Zugang entziehen oder einseitig Lizenzbedingungen ändern. In diesem Sinne ist Softwarefreiheit ein wichtiges Werkzeug auf dem Weg zu digitaler Souveränität.
Die Überschneidung ist jedoch keine vollständige Deckungsgleichheit. Digitale Souveränität umfasst auch Fragen der Infrastruktur, der Datenhaltung, der Betriebskompetenz und der geopolitischen Unabhängigkeit, die über den Begriff der Softwarefreiheit hinausgehen.
Ja, beides ist theoretisch ohne das andere möglich, aber in der Praxis schwer nachhaltig. Ein Unternehmen kann Softwarefreiheit nutzen, also ausschließlich Open-Source-Software einsetzen, und trotzdem in einer starken Abhängigkeit stecken, wenn es den gesamten Betrieb an einen einzigen Managed-Service-Anbieter ausgelagert hat. Umgekehrt kann ein Unternehmen eine gewisse digitale Souveränität anstreben, indem es Daten lokal hält, aber dabei auf proprietäre Software setzen, deren Quellcode es nicht einsehen kann.
Beide Ansätze haben Schwächen:
Die robusteste Grundlage entsteht, wenn beide Konzepte zusammengedacht werden: freie Software, die im eigenen Haus oder bei einem vertrauenswürdigen Partner mit klar geregelten Bedingungen betrieben wird.
Open-Source-Support ist ein zentraler Baustein für digitale Souveränität, weil er die praktische Lücke schließt, die viele Organisationen davon abhält, freie Software produktiv einzusetzen. Die Software ist frei verfügbar, aber der Betrieb in unternehmenskritischen Umgebungen erfordert Expertise, Reaktionsfähigkeit und Verlässlichkeit. Professioneller Open-Source-Support liefert genau das, ohne Vendor Lock-in zu erzeugen.
Ohne qualifizierten Support scheuen viele Unternehmen den Schritt zu Open-Source-Systemen und greifen stattdessen auf proprietäre Lösungen zurück, die mit Herstellersupport geliefert werden. Das ist verständlich, aber es bedeutet, dass die Entscheidung für oder gegen digitale Souveränität oft an der Supportfrage hängt und nicht an der technischen Eignung der Software.
Guter Open-Source-Support ermöglicht es Organisationen, die Vorteile freier Software vollständig zu nutzen, ohne auf die Sicherheit eines professionellen Supports verzichten zu müssen. Er stärkt damit direkt die digitale Souveränität, weil er die Abhängigkeit von proprietären Anbietern reduziert, ohne Kompromisse bei der Betriebssicherheit einzugehen.
credativ® unterstützt Unternehmen und Behörden seit 1999 dabei, digitale Souveränität durch den professionellen Einsatz von Open-Source-Software zu erreichen. Wir bieten direkten Zugang zu erfahrenen Spezialisten ohne zwischengeschaltetes Callcenter und ohne Abhängigkeit von einem einzelnen Softwarehersteller. Unser Open Source Support Center in Deutschland stellt sicher, dass Ihr Betrieb auch in kritischen Situationen abgesichert ist.
Konkret unterstützen wir Sie in folgenden Bereichen:
Wenn Sie Ihre digitale Souveränität stärken und dabei auf professionellen Open-Source-Support setzen möchten, kontaktieren Sie uns gerne für ein unverbindliches Gespräch.
Transparenzhinweis: Debian Linux® ist eine Marke des Debian-Projekts. PostgreSQL® ist eine Marke der PostgreSQL Community Association of Canada. Die Nennung dient ausschließlich der sachlichen Beschreibung von Dienstleistungen von credativ®. Es besteht keine geschäftliche Verbindung zu den genannten Markeninhabern.
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über den Autor
Head of Sales & Marketing
zur Person
Peter Dreuw arbeitet seit 2016 für die credativ GmbH und ist seit 2017 Teamleiter. Seit 2021 ist er Teil des Management-Teams als VP Services der Instaclustr. Mit der Übernahme durch die NetApp wurde seine neue Rolle "Senior Manager Open Source Professional Services". Im Rahmen der Ausgründung wurde er Mitglied der Geschäftsleitung als Prokurist. Sein Aufgabenfeld ist die Leitung des Vertriebs und des Marketings. Er ist Linux-Nutzer der ersten Stunden und betreibt Linux-Systeme seit Kernel 0.97. Trotz umfangreicher Erfahrung im operativen Bereich ist er leidenschaftlicher Softwareentwickler und kennt sich auch mit hardwarenahen Systemen gut aus.
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